Looping gibt Tipps fürs Reisen mit Kindern

Reisen mit Kindern leicht gemacht. Britta Smyrak ist Gründerin von Looping, einem Online-Magazin, das sich Familienreisen zu den „kleinen, feinen Orten abseits des Mainstreams“ widmet. Wir sprechen in Berlin mit der Mutter einer Tochter, die noch nie Lust auf Club-Urlaub hatte.

BSHallo Britta! Woher kommst du gerade?

Ich komme gerade aus Hong Kong, wo ich auf dem Rückweg aus Neuseeland mit meiner Familie zwischengelandet bin.

Eure Geschichten über Hotels, Resorts und Rundreisen klingen unkompliziert und fröhlich. Es wirkt so, als ob Reisen mit Kindern nicht grundsätzlich den persönlichen Reise-Lifestyle der Erwachsenen verändern muss. Stimmt das?

Ich glaube, das Klischee von der langweiligen Familie, die immer an die Nordsee fährt, ist genauso tot wie die Idee, dass Familien nur in Kinder- oder Club-Hotels glücklich werden. Das heißt nicht, dass ich die Nordsee nicht mag, oder generell alle Club-Hotels dieser Welt doof finde. Aber das ist so fantasielos. Ich möchte, dass wir alle eine schöne Zeit haben, aber ich frage mich bei jeder Reise: Würde ich das auch ohne Kind gut finden? Und wenn die Antwort Nein ist, dann mache ich das nicht.

Was ist grundsätzlich anders an der Reiseplanung mit Kindern?

Du musst versuchen, eine heterogene Gruppe unter einen Hut zu bekommen. Für mich ist vor allem wichtig, dass jeder seine Zeit hat und dass wir Zeit zusammen verbringen, Dinge gemeinsam erleben, an die wir uns danach noch erinnern können. Sowas schweißt zusammen. Das macht eine Beziehung aus. Ich muss also schauen, dass jeder etwas hat, das ihn glücklich macht und da liegen die Ansprüche von Erwachsenen und Kindern manchmal meilenweit auseinander. Es ist ein ewiger Kompromiss, der sich nicht so anfühlen darf!

Looping kümmert sich um die Nische, auch Hotels der gehobenen Komfortklassen auf ihre Familienfreundlichkeit zu überprüfen. Was tut sich da?

Ich habe das Gefühl, da tut sich jede Menge, was über das Beistellbett im Elternzimmer weit hinausgeht. Was mir besonders gefällt: Es geht nicht mehr darum, die Kids nur zu bespielen. Sie werden gefordert, übernehmen Aufgaben, entdecken selbst neue Sachen. Kinder bekommen die Möglichkeit, etwas zu erleben, worüber sie dann stolz berichten können. Manche Hotels bieten dafür Ausflüge in die Natur an, z. B. zum Kräutersammeln, oder sie kochen in einer Kochschule ein Essen aus dem Gemüse, das sie vorher im Garten geerntet haben. Kinder lernen, Reis anzupflanzen, üben, einen Comic zu zeichnen, machen ihren Segelschein. Und plötzlich lerne ich Dinge von meinem Kind. Das ist etwas völlig Neues, spannend und interessant.

Ich finde diese Hotels sehr schlau, denn Kinder sind nicht nur die Gäste von morgen, sondern sie haben bei der Reiseplanung enormen Einfluss auf die Eltern. Familien werden schnell zum Stammgast, wenn es allen gefallen hat und das sind dann diese berühmten Hotel-Geheimtipps, die man nur unter der Hand weiterreicht oder auf Looping findet.

Viele Eltern sind besorgt um Gesundheit und Sicherheit im Ausland. Welchen Rat gibst du ihnen?

Als meine Tochter klein war, habe ich immer darauf geachtet, dass es ein Krankenhaus oder einen deutsch bzw. englisch sprechenden Arzt in der Nähe gibt. Es muss nichts passieren, aber wenn das Kind plötzlich auf der kleinen einsamen Insel auf 42 Grad hochfiebert und das Boot nur alle zwei Tage zum Festland fährt, dann hört der Spaß schnell auf.

Ich achte sehr auf Hygiene, buche lieber eine Kategorie höher und verkürze dafür den Urlaub von drei auf zwei Wochen. Wasser und Essen im Hotel müssen einwandfrei sein und ein bisschen europäisches Essen zur Auswahl finde ich auch nicht verkehrt, denn sollte der Magen bei fremden Gewürzen durchdrehen, kann ich so auf Gewohntes zurückgreifen. Bei aller Ökologie, eine Klimaanlage ist nicht verkehrt, denn wenn wie oben erwähnt mein Kind Fieber hat und ich drei Tage auf dem Zimmer verbringen muss, dann ist das Gold wert. Wer ganz sicher sein will, der kann vor der Reise auch die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes lesen, aber das gilt eigentlich nicht nur für Familien. Mein wichtigster Rat lautet allerdings: Reist mit euren Kindern!

Wie bereitet man seine Kinder am besten auf die Reise und das Reiseland vor?

Ich versuche oft, ein Buch zu finden, das in dem Land spielt. Zum Beispiel haben wir auf Neuseeland den Hobbit gelesen und in Berlin ein Hotel getestet, das in einem Buch vorkommt. Ansonsten möchte meine Tochter mittlerweile ganz genau wissen, warum wir wo hinfahren und was es da gibt. Also schauen wir uns gemeinsam Reiseblogs und Reiseführer an, damit sie sich auch etwas aussuchen kann und wir die Route gemeinsam planen können. Ansonsten habe ich immer ein kleines Highlight für sie, dann kann ich sie damit locken, falls sie mal nicht will: Tiere gehen immer.

Reisen mit Kindern kann ein Alptraum werden, wenn sie müde, hungrig oder gelangweilt sind. Uns gefiel euer Interview mit der Condor-Flugbegleiterin: „Und ansonsten einfach schreien lassen!“ Was sind die unverzichtbaren fünf Sachen, die man packen muss, wenn man mit Kindern unterwegs ist?

iPad, iPad, iPad – kleiner Scherz. Aber ganz ehrlich, die neuen Geräte, ob Smartphone oder Tablet, sind natürlich super. Da kann ich Hörspiele drauf laden, Filme und Spiele. Wir haben z. B. auf dem Flug nach Bali stundenlang „Mensch ärgere dich nicht“ auf dem Handy gespielt. Dazu empfehle ich noch, je nach Alter, ein schönes Buch zum Anschauen, vorlesen oder selber lesen. Malsachen bzw. Stift und Papier sind immer gut, da kann man prima Schiffe versenken oder Käsekästchen spielen. Da kommen dann auch eigene Kindheitserinnerungen hoch. Ich kaufe auch ganz gerne am Flughafen noch eine Zeitung für mich und eine Zeitschrift oder ein Comic für sie. Dann können wir gleich am Anfang beide lesen. Zwei Bonbons, eins für den Start und eins für die Landung habe ich auch meist dabei gegen den Druck auf den Ohren. Und überhaupt kann was Süßes zur rechten Zeit Wunder wirken. Wichtig ist allerdings, dass man sich auch mit seinem Kind beschäftigen möchte, schließlich schleppt man es ja mit.

Vielen Dank für das Interview!